Theresia Hentschel

WaySafe

Eine Aufklärungs-Plattform zum Thema sexualisierte Gewalt gegen Frauen im öffentlichen Raum, ein Thema, das Gestaltung mit Verantwortung verlangt. Entstanden in enger Zusammenarbeit mit der Polizei Ravensburg, die uns wichtigen Input dazu gab, was in bestehenden Angeboten fehlt. Das Ziel: aufklären, ohne zu verharmlosen, und akute Hilfe in maximal 2 Klicks erreichbar machen.

Projektart
Aufklärungs-Plattform, Figma
Rolle
Viererprojekt: Recherche, Konzeption, Visual Design & Prototyping
Jahr
2025
Tools & Stack
  • Figma
  • FigJam
  • Auto-Layout
  • Design-Tokens
  • Klick-Prototyp
WaySafe im MacBook-Mockup: die Zivilcourage-Seite mit sich reichenden Händen als Titelmotiv

Der Prototyp

Der Klick-Prototyp in Figma zeigt, wie sich die Plattform anfühlt: von der Aufklärung bis zur akuten Hilfe, nie weiter als ein, zwei Klicks entfernt.

WaySafe: Klick-Walkthrough durch den PrototypAufzeichnung des Figma-Prototyps

Empathise

Primäre Zielgruppe sind Frauen aller Altersgruppen, verstärkt 16–24 und Betroffene. Sekundär sind es Außenstehende, die helfen wollen. Für die einen zählte vor allem schneller Zugriff auf akute Hilfe, für die anderen klare Handlungsanleitungen, wie sie unterstützen können, ohne sich selbst zu gefährden.

Bestehende Aufklärungs-Websites wie „Bayern gegen Gewalt“ haben wir dazu nicht nach Bauchgefühl bewertet, sondern entlang fester Kriterien: Navigation, Barrierefreiheit, fachliche Tiefe, Bildsprache. Sichtbare Schwächen flossen direkt in unsere Design-Entscheidungen ein: Frauen sollten nicht schwach wirken, sondern stärkend und unterstützend dargestellt werden.

Define

74 Personen haben unsere Umfrage beantwortet, 94,2 % weiblich. Die häufigste Antwort auf die Frage, wie sie mit einem Vorfall umgegangen sind, war nicht „Beratungsstelle“, sondern „Vorfall verheimlicht“. Das hat die Priorisierung verändert: Die Seite muss zuerst Vertrauen aufbauen, bevor sie zur Handlung auffordert.

Daraus haben wir Problem und Vision bewusst getrennt formuliert: Das Problem ist die gesellschaftliche Verharmlosung und fehlende Zivilcourage, die Vision das Gegenbild einer Gesellschaft, die Selbstbestimmung stärkt. Dieses Statement war der Maßstab für jede spätere Entscheidung, bis hin zur Frage, welches Foto infrage kam.

Ideate

Fünf gleichrangige Bereiche (Startseite, Infothek, Prävention, Hilfe, Solidarität) entstanden als Baumdiagramm. Zivilcourage bekam von Anfang an einen eigenen Hauptpunkt statt eines Unterpunkts, sonst wäre das Thema untergegangen.

Auf dem Papier entstand die Kernbotschaft der Startseite: 2 sich haltende Hände und „Nicht allein“, fast unverändert bis in den fertigen Prototyp. Mehrere Layout-Varianten wurden durchskizziert, bevor eine in Figma ausgearbeitet wurde: Änderungen auf Papier kosten Minuten, in Figma Stunden.

Prototype

Aus der Konkurrenzanalyse stand fest: keine Opferbilder. Im Moodboard sammelten wir stattdessen eine Rot-Orange-Palette mit starken Kontrasten und Silhouetten, die Haltung statt Angst zeigen. Wo passende Stock-Fotos fehlten, haben wir Bilder mit Midjourney im selben Ton ergänzt.

Daraus entstand ein stimmiges Gesamtbild: Von der Situativen Prävention über die Startseite bis zur Zivilcourage-Seite gelten überall dieselbe Bildsprache und dieselbe Haltung.

Testing

Getestet haben wir mit 8 Personen zwischen 21 und 30 Jahren, anhand von Fragebögen aus AttrakDiff, VisAWi und UEQ, speziell auf unsere Website zugeschnitten.

Pragmatische und hedonistische Qualität erreichten dieselben Spitzenwerte: Die Informationsarchitektur ermöglichte effizienten Zugriff auf Notrufnummern, ohne dass die eindringliche Bildsprache die Funktionalität behinderte, im Gegenteil, sie unterstrich die Seriosität der Hilfsangebote.

Konkret optimiert haben wir zum Beispiel die „Schnell-zum-Ziel“-Buttons: Testpersonen verstanden ihre Funktion nicht auf Anhieb, Pfeil-Icons machten danach sofort klar, dass sie direkt zum gewünschten Unterthema springen.

Die fertigen Screens

Aus den Papierskizzen wurden funktionierende Figma-Screens: klare Fakten zu Gewaltformen mit Tabs für verbal, körperlich und psychisch, konkrete Tipps zu Haltung und Stimme mit einem „Hier üben“-Button direkt daneben, und eigene Strategien fürs Ausgehen mit Getränke-Check, Buddy-System und Code-Wörtern.

Der Hilfe-Button bleibt dabei auf jeder Seite an derselben Stelle sichtbar, egal wie tief man in ein Thema einsteigt, ist er nie weiter als ein Klick entfernt.

Behind the Scenes

Vier Perspektiven, ein gemeinsamer Prototyp

Mit meinem Team habe ich parallel in Figma und FigJam gearbeitet. Bei diesem sensiblen Thema gingen 4 Blickwinkel auf jede Bild- und Wortentscheidung, bevor sie in den Prototyp kam, damit niemand allein über eine heikle Formulierung entschied.

Links

Zum Ausprobieren, live und direkt auf deinem Gerät.

Downloads

Die vollständige Dokumentation zum Projekt, zum Nachlesen und Mitnehmen.